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(Erst-) Helfer berichten

Erfahrungen und Gedanken aus der Arbeit eines Rettungsassistenten

von Jan Heumann, Rettungsassistent

Wenn wir zu einem Verkehrsunfall (VU) gerufen werden, schießen mir viele Gedanken durch den Kopf, wie z.B.: ,Wie schwer war der Unfall?, Wie viele Verletzte?, Eingeklemmte?, usw...

Bei dem Eintreffen an der Einsatzstelle, wenn mein Kollege und ich dann aus unserem RTW aussteigen, sind diese Gedanken dann verarbeitet. Von einer Routine oder so kann man bei solchen Einsätzen nicht reden, da jeder VU ein anderer ist. Größtenteils sind die VU’s zu denen ich gerufen werde glücklicherweise leichtere mit geringen Sach-/Personenschäden. Leider kommt es auch von Zeit zu Zeit vor, dass wir zu schlimmeren VU’s gerufen werden wo es schwere Personenschäden gibt oder wir leider nichts mehr für die Unfallopfer tun können. Diese Einsätze sind für uns Rettungsdienstpersonal trotz unserer teilweise jahrelangen Erfahrung sehr belastend. Aber an solch einer Einsatzstelle unterdrücken wir unsere Gefühle für das Geschehene, da wir keine Zeit zum Nachdenken haben. Unsere an einer Einsatzstelle gewonnenen Eindrücke kommen erst wieder zum Vorschein, wenn wir nach dem Einsatz auf unserer Wache sitzen und den Einsatzbericht schreiben oder Fernsehen. Natürlich verschwinden diese Gedanken nach einiger Zeit; einige Einsätze wird man jedoch nie vergessen: Wir wurden z.B. (ich glaube es war gegen 17:00 Uhr) zu einem Unfall gerufen bei der eine Jugendliche (+16) auf Ihrem Fahrrad von einem PKW erfasst und ca. 50m durch die Luft geschleudert wurde. Bei unserem Eintreffen war Nadine noch ansprechbar, trübte aufgrund des grossen Blutverlustes durch diversen Frakturen immer weiter ein. Zu Anfang unseres Einsatzes konnte ich mich noch normal mit Nadine unterhalten. Aber als sie immer weiter das Bewusstsein verlor, gab sie mir Ihre Kette mit einem Engel als Anhänger und bat mich, diese Kette Ihrer Mutter zu geben und Ihr zu sagen das sie sie liebt und sie vermissen wird. Dann verlor Nadine für immer Ihr Bewusstsein. Mein Kollege und ich begannen sofort mit Wiederbelebungsversuchen, die nach ca. 1 Std. durch den Notarzt beendet wurden. Als ich dann nach vier Tagen der Mutter von Nadine (wie ich es Ihr versprochen hatte) die Kette geben wollte und Ihr mein Beileid aussprechen wollte, passierte etwas womit ich NIE gerechnet hätte. Als ich der Familie von Nadine dann bei denen Zuhause mein Beileid ausgesprochen hatte und der Mutter die Kette geben wollte, sagte sie zu mir: „Herr Heumann, ich weiß Ihre Arbeit sehr zu schätzen was sie für meine Tochter getan haben aber ich kann die Kette nicht annehmen.“ „Mein Nadinchen hätte mit Sicherheit auch gewollt, dass Sie die Kette als Dankeschön für Ihre bereits geleistete und noch leistende Arbeit nehmen.“ Ich wusste in diesem Moment echt nicht was ich sagen oder machen sollte und stammelte nur irgend etwas. Daraufhin gab mir die Mutter die Kette zurück, und hängte sie mir um. Seit diesem Tage trage ich Kette täglich und es ist gute Freundschaft mit Familie ****** (sorry Datenschutz) entstanden.

...hier noch einige Bilder von Verkehrsunfällen aus dem Bereich von Jan Heumann

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